Offener Brief / Petition an den Zürcher Stadtrat
Sehr geehrte Frau Stadtpräsidentin
Sehr geehrte Damen und Herren Stadträtinnen und Stadträte
Das Museum Haus Konstruktiv muss seinen angestammten Sitz im ewz Unterwerk Selnau auf Ende 2025 verlassen. Die Verwaltung hat Eigenbedarf angemeldet - das Museum soll zu einer Energiezentrale für den Energieverbund «Cool City» umgebaut werden.
Der Bau ist ein eindrücklicher Zeuge des Neuen Bauens in Zürich, ein erstklassiges Denkmal der Industriearchitektur des 20. Jahrhunderts - offen für alle. Seine Architektur verbindet sich auf ideale Weise mit der konstruktiv-konkreten Kunst. Es dürfte selten sein, dass Inhalt und Form derart kongruent sind. Der Bau prägt wesentlich den Charakter und die Ausstrahlung des Haus Konstruktiv und hat dem Museum zum Ruf einer “Little Tate Modern” verholfen.
Dazu kommt, dass die Lage in Gehdistanz zum Hauptbahnhof das Museum für Besucher:innen von weitherum attraktiv macht. Kurzum, das heutige Museum ist ein Idealfall für die Sache der konstruktiven und konkreten Kunst. Und es ist ein Idealfall für die Kulturstadt Zürich. Mit grossen Mitteln hat die Stiftung für konstruktive, konkrete und konzeptuelle Kunst den Bau den Anforderungen eines zeitgenössischen Museums angepasst, ohne dabei seinen Charakter zu verändern.
All das sollte man nicht ohne Not opfern.
Eine zukunftsgerichtete, nachhaltige Energieversorgung mit dem Ziel Netto-Null ist das Gebot der Stunde. Aber: Wir fragen
- Muss es ausgerechnet in diesem denkmalgeschützten Gebäude sein?
- Gibt es tatsächlich keine andere Lösung, als das Haus Konstruktiv vor die Tür zu setzen und die Ein-und Umbauten, die für das Museum
gemacht wurden, zu vernichten? - Was tut der Stadtrat, um die Zukunft des Haus Konstruktiv zu sichern?
Das Beste fürs Haus Konstruktiv ist der heutige Standort. Und das Museum die richtige Nutzung für das Gebäude. Die IG #HKMB fordert den Stadtrat auf, nochmals technische Alternativen zu prüfen. Und sie fordert den Stadtrat auf, schon jetzt alles Mögliche in die Wege zu leiten, dass der konkreten und konstruktiven Kunst auch künftig ein funktionierendes Museum zur Verfügung steht, das auch von ihren kontemporären Erbinnen und Kunstkomplizen bespielt werden kann.
Zürich hat zwei weltweit bedeutende Kunstbewegungen hervorgebracht. Es sind der Dadaismus und die Konstruktiv-Konkreten. Ihnen gebührt ein hervorragender Ort in ihrer Geburtsstadt.
Für die IG Haus Konstruktiv muss bleiben #HKMB
Rita Ernst, Künstlerin
Thomas Haemmerli, Autor & Filmer
Tilla Theus, Architektin
Margit Weinberg Staber, Gründungsdirektorin des Haus Konstruktiv
Pressespiegel
NZZ: Haus Konstruktiv und Impact Hub müssen raus
Tagesanzeiger: Stadt Zürich wirft Museum Haus Konstruktiv und Impact-Hub raus
WOZ: Schöne, kühle Stadt